„Mein Kind kann sich nicht konzentrieren.“

Sich konzentrieren können hängt von vielen Faktoren ab!

Ein Bericht aus der Praxis

Wenn Eltern bei mir anrufen, sagen die Eltern sehr oft, dass ihr Kind sich nicht konzentrieren kann. Mal bekomme das Kind die Aufgaben (Deutsch und/oder Mathe) hin und mal nicht. Wenn das Kind wolle, dann bekomme es auch schon mal alles richtig hin. Oft sind es die Lehrer, die den Eltern genau diese Argumente in den Mund legen, weil sie die Vielzahl der Ursachen dafür nicht kennen. Manche Eltern sind selbst dieser Meinung, weil sie es nicht besser wissen. Viele Eltern erzählen mir dann auch noch, dass sie inzwischen am Ende ihrer Kräfte seien und selber beim Üben mit dem Kind oder bei den Hausaufgaben nervös seien und auch schon mal ausrasten würden. Damit stehen sie nicht allein. Oft müssen die Kinder zu Hause so viel nacharbeiten, dass es für die gesamte Familie eine nicht zumutbare Belastung ist.

Können sich Kinder nicht konzentrieren?

Wie reagiere ich? Ich versuche alle diese Argumente aufzurollen und zu entwirren.

  1. Kann Ihr Kind sich nur bei bestimmten Aufgaben/Fächern nicht konzentrieren oder zieht sich das durch alle Fächer und alle Lebensbereiche?
  2. Hat Ihr Kind vor bestimmten Tests und Fächern Angst, oder ist es frustriert?
  3. Fühlt es sich von den Lehren angenommen?
  4. Hat es noch ausreichend Selbstvertrauen?
  5. Muss es ein überhöhtes Arbeitspensum abarbeiten, so dass Ihr Kind keine Zeit mehr für das Spielen und Erholen hat?

Kein sicheres Wissen bedeutet, dass die Kinder sich nicht konzentrieren können

Diese Fragen sind sehr wichtig, denn oft liegt die mangelnde Konzentration daran, dass das Wissen nicht ausreicht, um sicher eine Klassenarbeit bestehen zu können. Und bei Kindern mit einer Lernschwäche ist das ein typisches Zeichen – manchmal können sie etwas richtig schreiben oder erledigen die Matheaufgabe richtig und dann wieder nicht. Das zeigt, dass hier kein sicheres Wissen vorhanden ist, und das hat weniger mit der Konzentration zu tun.

Angst und Frust verhindern, dass wir uns konzentrieren können

Angst und Frust verhindern nahezu, dass sich der Mensch konzentrieren kann. Denn Angst und Frust blockieren den Teil unseres Gehirns, der für den Verstand verantwortlich ist. Angst ist ein Schutzmechanismus, der den Verstand ausschaltet, damit wir schnell reagieren können, weglaufen, uns verteidigen …

Kinder haben sehr gute Sensoren und spiegeln uns

Kinder spüren sehr sensibel, wenn Lehrer selber hilflos oder überfordert sind. Kinder lesen auch die Angst in uns Eltern, spüren unsere Hilflosigkeit, die Sorgen. Doch sie können sie nicht richtig interpretieren. Dazu sind sie zu jung. Sie wissen, dass die Eltern sich aufregen, wenn sie schlechte Noten mitbringen. Und viele denken, dass ihre Eltern sie nicht lieb haben oder zu viel verlangen… Der Druck, der auf diesen Kindern lastet, ist enorm und steigt stetig – das ist der Teufelskreis Lernstörung.

Der Teufelskreis Lernstörung – sich zu konzentrieren ist dann sehr schwer

Und hat ein Kind erst einmal „verstanden“, dass es nichts kann, gibt es auf und lenkt sich ab. Kinder, die frustriert sind und sich aufgegeben haben, nehmen unbewusst – und das ist wichtig – unbewusst, jede Ablenkung gerne in Anspruch. Kinder, die frustriert sind, können ihre Eltern schon mal in die Verzweiflung stürzen, weil alles andere wichtiger ist, nur nicht das Lernen und die Hausaufgaben. Manche Kinder ziehen sich zurück, vereinsamen, werden depressiv.

Kinder versuchen, dem Druck zu entkommen

Auch wenn der Druck auf die Kinder zu hoch ist oder das Lernpensum nicht mehr zu schaffen ist, versuchen die Kinder diesem mit allen möglichen Mitteln zu entkommen – sie haben Bauchschmerzen, werden zum Klassenclown, stören …

In meiner Praxis nehme ich den Druck heraus

Wenn diese Kinder das erste Mal zu mir in die Praxis kommen, sehe ich schon in ihrem Gesicht, wie verunsichert sie sind. Doch schon bald ändert sich ihr Gesichtsausdruck, denn bei mir erfahren sie, dass das Lernen Spaß machen kann. Ich gebe ihnen das Gefühl, dass ich an sie glaube und beginne erst einmal mit Übungen, durch die sie merken, dass auch sie schnell etwas Neues lernen können. Ich nehme sie so an, wie sie sind, ich mache ihnen Mut, tröste sie und sage immer wieder: „Das Lernen muss Freude machen.“

Ich habe einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber den Eltern: Emotional bin ich neutral. Das entspannt die Lernsituation der Kinder wesentlich.

Und dann arbeiten sie konzentriert, schreiben freiwillig 25 oder 50 Wörter an die Tafel, oder rechnen viele Aufgaben, vor denen sie vor kurzem noch mit einem langen Gesicht gesessen hätten.

Und meistens stellt sich heraus, dass sie kaum Rechtschreibstrategien oder – regeln kennen oder gar nicht wissen, wie man richtig rechnen muss, sie nämlich mit den Fingern rechnen oder sehr merkwürdige Rechenwege anwenden.

Die wenigsten Kinder, die in meine Praxis kommen, können sich tatsächlich nicht konzentrieren. Seit fast 14 Jahren arbeite ich nun mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und echte Konzentrationsprobleme hatten tatsächlich nur sehr, sehr wenige.

Es ist also nicht so, dass die meisten Kinder sich nicht konzentrieren können. Sie können es! Es fehlen die richtigen Lernbedingungen, die Freude am Lernen, das Selbstvertrauen, die richtigen Lernmethoden, Geduld und Zuwendung.

 

3 Kommentare

  1. Ja, die Anforderungen an die Kinder sind immens! Und es wird immer mehr! Ermutigung, das Annehmen des So-Seins des Kindes wirkt deshalb Wunder! Danke für den tollen Artikel!

  2. Danke für diese klaren Worte! Damit und mit Deinem wertvollen Angebot kannst Du wirklich für viele Menschen „den Familienfrieden retten“.
    Ich sehe auch oft, wie Eltern (besonders Mütter) aus lauter Sorge Druck aufbauen und sich das ganze dann „hochschaukelt“. Mit Deiner Arbeit sorgst Du für Entspannung auf allen Seiten, wie schön!

  3. Liebe Sabine,
    vielen Dank für den Beitrag, er ist sehr schön geschrieben und hilft allen Eltern weiter.
    Liebe Grüße

    Monika

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