Wunder geschehen – ja, das kommt tatsächlich vor.

Wie kam es zu diesem Wunder? Vor ein paar Tagen erreichte mich folgende Nachricht:
„Guten Abend, seit einiger Zeit verfolge ich mit großem Interesse ihrer Seite hier bei FB. Unser Sohn (7, 2. Klasse) ist ziemlich schlau (getestet hochbegabt, vor allem im räumlich visuellen Bereich). Leider passt sein Arbeitstempo null zum Können, sodass er in der Schule meist hintendran ist und nicht fertig wird. Gleichzeitig möchte er aber adäquate Aufgaben haben, welche ihn nicht so stupide langweilen. Seine Lehrerin sieht es eher so, er kann es nicht, daher ist er so langsam. Ok, also sprachen wir viel, übten und begleiteten ihn während der corona Zeit zu Hause. Während dieser Zeit ist er den Klassenkameraden weit voraus gekommen. Nun müssen sie wieder täglich 30 matheaufgaben (+/- bis 20) in 3min rechnen. Hier ist der zeitfaktor sein größter Feind….er KANN es nicht…er schafft es NIE in der vorgegeben Zeit weil er jede Aufgabe neu berechnet.
Leider wohnen wir sehr weit entfernt, sodass wir nicht in den Genuss Ihrer Praxis kommen können. Haben Sie eine Idee, wie man dem ( mittlerweile demotiviertem) Kind helfen kann?
P.s er kann Mathe, er hat ein enormes Vorstellungsvermögen und berechnet alles, wenn es einen sinnvollen Grund gibt sehr schnell.“

Ich fragte nach: Guten Morgen, hat er denn nur in Mathe die Probleme? Es stellt sich mir die Frage, wie rechnet Ihr Sohn? Welche Rechenwege nutzt er?

Die Antwort kam sehr schnell

„In Mathe sucht er jedesmal mal nach optimalen Rechenwegen… Z.b. 7+8 da nutzt er 8+8-1 aber auch mal 5+10, je nachdem, was ihm gerade in den Kopf kommt. Minus macht ihm etwas mehr Sorgen, da geht er eigentlich immer bis zum Zehner runter und dann weiter, außer es ist eine -9 Aufgabe, da nutzt er dann -10+1. Am liebsten verdoppelt er Zahlen, dadurch hat er sich die 2er, 4er, 6er und 8er Malfolge im theoretischen selbst erarbeitet.
Seine Lehrerin erwartet fehlerfreies schnelles Rechnen um im Stoff weiter machen zu können.“
Über corona hat er sich ja den Zahlenraum bis 100 erarbeitet ….jetzt in klasse 2 soll er wieder 10er gruppen sortieren weil er nicht schnell rechnen kann bis 20.“

Da wusste ich schon, wo das Problem liegt

Ok, dann weiß ich schon, was da nicht funktioniert. Sie brauchen die richtigen Rechenwege für Ihren Sohn. Das ist die häufigste Ursache dafür, dass die Kinder Probleme in Mathe haben.

Wir haben uns auf Zoom verabredet. Da wusste ich noch nicht, welches Wunder ich erelben würde.

                                                           Und da geschah das Wunder

Was soll ich sagen? Eine halbe Stunde und der Junge konnte rechnen. Wahnsinn! Das Wunder liegt natürlich auf der Seite des Jungen, der das, was ich ihm erklärte, so schnell umsetzen konnte.  Abends bekam ich bereits das Foto eines glücklichen Jungen geschickt mit den lieben Worten einer glücklichen Mutter.

So schnell kann das gehen, wirklich so schnell.

Was habe ich gemacht? Gezaubert?

Natürlich nicht. Ich habe ihm die richtigen Rechenwege beigebracht, denn ich habe Recht behalten. Es lag nur an diesen Rechenwegen.

Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass den Kindern in der Grundschule viel zu viele verschiedene Rechenwege gezeigt werden. Davon sind einige didaktisch gesehen sogar falsch und schädlich, denn sie führen zur Angst vor dem Minusrechnen.

Ich rechnete zuerst die Aufgabe 5 + 8, diese Aufgabe meisterte er mit Bravour. Es folgte die Aufgabe 12 – 4. Hier war er bereits sehr unsicher. Ich erklärte ihm, wie es geht und rechnete noch zwei, drei Aufgaben mit ihm. Fertig. Er konnte es. Wow! Also gingen wir zu der Aufgabe 26 + 18 über. Ich zeigte ihm den richtigen Rechenweg, er übte wieder ein paar Augaben und konnte sie sofort im Kopf rechnen.

Ich wusste, dass das jetzt schon echt viel ist. Normalerweise übe ich das alles ja mehrere Stunden und sehr intensiv. Und dieser kleine Junge brauchte eine Viertelstunde dafür.

Nun wollte ich Minus mit ihm rechnen. Ich musste ihn erst einmal überreden. Der Frust und die Angst waren deutlich zu spüren. Aber ich glaube, er wusste jetzt, dass er hinkriegen würde. Wir spielten ein Spiel und danach zeigte ich ihm den Rechenweg.

Eine halbe Stunde und er konnte alles. Wow!

Das Ganze hat mich jedoch sehr beschäftigt – eigentlich die ganz Nacht!

Denn ich frage mich: Warum dürfen Verlage solche Lehrbücher herausgeben, in denen den Kindern vier verschiedene Rechenwege beigebracht werden sollen? Im Kopf vieler Kinder entsteht so ein Wirrwarr, der wiederum zu Frust und Angst führt. So werden Rechenprobleme produziert!

Und hier erkläre ich, wie ich mit den Kindern rechne: